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Lectura-Notierung erklärt: Einkaufspreis, Verkaufspreis, Listenpreis

Was die Werte bedeuten, wie sie entstehen und wo ihre Grenzen liegen. Warum die Notierung ein Anker ist, aber kein Ersatz für echte Angebote.

Florian Robbe · 7. September 2026 · Lesezeit 6 Minuten

Die Lectura-Notierung ist eine statistische Wertangabe der Lectura GmbH (Nürnberg) für gebrauchte Bau- und Landmaschinen, Stapler, Arbeitsbühnen und Krane. Aus vielen beobachteten Angeboten und Verkäufen leitet Lectura je Modell und Baujahr einen empfohlenen Einkaufspreis für Händler und einen empfohlenen Verkaufspreis an Endkunden ab. Sie ist eine Prognose aus einem Regressionsmodell, kein einzelnes Angebot.

Die drei Werte

WertBedeutungWofür Händler ihn nutzen
Einkaufsnotierung (Händler-Einkauf)Der Preis, zu dem ein Händler die Maschine nach Lecturas Modell hereinnehmen kann. Liegt unter dem Verkaufspreis, der Abstand ist die erwartete Handelsspanne.Untere Orientierung für den Rücknahmepreis
Verkaufsnotierung (Endkunde)Der Preis, den ein Endkunde nach dem Modell zahlt. Enthält typischerweise Ausstattung, die in Inseraten mitverkauft wird.Korridor, gegen den die Vergleichsangebote geprüft werden
ListenpreisDer Neupreis des Modells laut Hersteller. Ausgangspunkt jeder Abwertung nach Alter.Neupreis-Abwertung als weitere Quelle, Plausibilitätsprüfung

Dazu liefert Lectura die Restwertkurve über die Baujahre, die Zahl der Beobachtungen hinter dem Wert und einen Hinweis, wenn ein Wert außerhalb des beobachteten Bereichs extrapoliert wurde. Diese Belege sind wichtiger als die nackte Zahl: Eine Notierung aus 180 Beobachtungen trägt anders als eine aus fünf.

Wie die Werte entstehen

Lectura sammelt Angebote und Verkaufsdaten aus dem Gebrauchtmaschinenmarkt, bereinigt und vereinheitlicht sie und schätzt daraus mit einem Regressionsmodell den Wertverlauf je Modell. Die wichtigsten Einflussgrößen sind Modell, Erstzulassung beziehungsweise Baujahr und Zustand. Betriebsstunden gehen in die Standardnotierung nicht ein: Zwei Maschinen gleichen Baujahrs bekommen dieselbe Notierung, ob 3.000 oder 9.000 Stunden. Das ist der wichtigste Grund, die Notierung nie allein zu verwenden.

Für viele Modelle gibt es zusätzlich eine Bewertung der nackten Maschine ohne Ausstattung. Die Differenz zur Verkaufsnotierung zeigt, wie viel Zubehör in typischen Inseraten steckt. Bei einem Minibagger kann das ein Fünftel des Preises sein.

Wo die Grenzen liegen

Wie Händler die Notierung richtig einsetzen

Als Anker, nicht als Antwort. Eine belastbare Bewertung legt die Notierung neben die umgerechneten Vergleichsangebote und die eigene Historie. Liegt der Median der Angebote im Korridor zwischen Einkaufs- und Verkaufsnotierung, passt die Identifikation, und die Konfidenz ist hoch. Liegt er weit außerhalb, ist entweder das Modell falsch zugeordnet oder die Angebote enthalten Ausreißer. Beides sieht man nur, wenn alle Zahlen nebeneinander stehen.

In Maschinenbewertung.app ist die Notierung eine von mehreren Quellen mit einstellbarem Gewicht. Sie wird je Bewertung mit dem bewerteten Modell, der Beobachtungszahl und der Kurve dokumentiert, damit der Bewerter sieht, worauf die Zahl steht. Die Lectura-Nutzung ist in jedem Paket enthalten, ein eigener Zugang ist nicht nötig. Bei Kündigung werden die Lectura-Daten nachweislich gelöscht, weil die Notierungen lizenziert sind und nur im Rahmen des Vertrags genutzt werden dürfen.

Häufige Fragen

Ist die Lectura-Notierung ein Angebot?

Nein. Sie ist eine statistische Prognose aus vielen Beobachtungen. Es gibt keine Maschine, die zu genau diesem Preis irgendwo steht. Deshalb gehört sie neben echte Angebote, nicht an deren Stelle.

Warum unterscheiden sich Einkaufs- und Verkaufsnotierung so stark?

Der Abstand ist die erwartete Handelsspanne: Aufbereitung, Kundendienst, Transport, Gewährleistung, Standzeit und Marge des Händlers. Wer eine Maschine zur Verkaufsnotierung hereinnimmt, hat beim Weiterverkauf nichts verdient.

Brauche ich als Händler einen eigenen Lectura-Zugang?

Für die Nutzung in Maschinenbewertung.app nicht, die Notierung ist in jedem Paket enthalten. Voraussetzung ist, dass das Haus nicht bereits direkter Lectura-Kunde ist; das wird vor dem Vertrag abgeglichen.

Über den Autor Florian Robbe hat 18 Jahre im B2B-Vertrieb gearbeitet, sieben davon als Vertriebsleiter und Geschäftsführer im Baumaschinenhandel. Heute berät er als TÜV-SÜD-zertifizierter KI-Manager Händler beim Einsatz von KI im Vertrieb. Mehr über uns.